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Schnupfen & Erkältung-welche Hausmittel helfen wirklich?

Aktualisiert: 16. Nov 2019

Der Winter kann eine schöne Jahreszeit sein. Allerdings stellt er für unseren Körper durchaus eine Herausforderung dar. Ständig schwankende Temperaturen, weniger Bewegung im Freien, zu wenig Sonnenlicht und mehrfach wiederkehrende Erkältungen machen uns das Leben schwer. Ständig werden uns aus allen Richtungen Hausmittel empfohlen, die Abhilfe schaffen sollen. Wir sehen uns an, welche Empfehlungen wirklich Sinn machen.


Tees und Zitrusfrüchte - Schutzschild gegen Schnupfen?

Wir alle kennen das. Ein leichtes Halskratzen kündigt eine herannahende Erkältung an.  Schon wenige Stunden später kommen all die lästigen, unangenehmen Symptome hinzu: uns ist abwechselnd kalt und heiß, vielleicht werden wir von Kopfschmerzen geplagt, unser Hals fühlt sich an, als hätten wir Rasierklingen geschluckt. Unsere Nase ist entweder verstopft oder sie läuft. Wir fühlen uns einfach gesagt hundeelend und k.o.

Sobald wir es auch noch wagen, im Vorfeld unsere Sorge, krank zu werden, laut auszusprechen, werden wir von guten Ratschlägen unserer Kollegen, Freunde und Verwandten bombardiert:


„Meine Oma vom Land hat mich gezwungen, Essig mit Honig zu trinken! Das wirkt Wunder!“


„Mein Onkel hat immer Tee mit Rum getrunken und war am nächsten Tag wieder gesund!“


„Meine Cousine dritten Grades aus Novosibirsk stellt sich um Mitternacht auf den Komposthaufen und isst einen Apfel!“


Manche Dinge haben wir vielleicht selbst schon einmal ausprobiert, andere erscheinen uns schlichtweg zu grauslich. Die richtigen Klassiker sind Vitamin C oder große Mengen an Orangen, Hühnersuppe, schweißtreibende Tees, Gurgeln mit Salzwasser. Manche Hausmittelchen sollen Symptome wie Halsschmerzen oder Husten lindern, andere werden als Allheilmittel propagiert.


Um zu verstehen, welche Mittel überhaupt wirken können, muss man sich zuerst genauer ansehen, was eine „Erkältung“ eigentlich ist.


In dem Wort „Erkältung“ oder hierzulande „Verkühlung“ steckt das Worte Kälte. Obwohl sich das Gerücht seit mehr als 100 Jahren hartnäckig hält, hat eine Erkältung mit Kälte und Feuchte relativ wenig zu tun. Eine plausiblere Theorie ist, daß sich Menschen in der kälteren Jahreszeit bevorzugt in geschlossenen, schlecht gelüfteten Räumen aufhalten und somit das Ansteckungsrisiko erhöht ist. Denn die klassische Erkältung ist eigentlich eine Virusinfektion. Eine finnische Studie mit 200 Probanden konnte nachweisen, daß es sich bei 52% der Erkrankten um sogenannte Rhinoviren als Erreger handelt, dicht gefolgt von Coronaviren und Influenza A Viren mit jeweils 10%. Als weitere „Gruppe“ traten Mehrfachinfektionen, also eine Kombination der oben genannten Viren mit 10% der Erkrankten auf. Bakterielle Infektionen waren nur in seltenen Fällen nachweisbar. Darum sei auch vor der vorschnellen Behandlung mit Antibiotika gewarnt, denn diese können nur Bakterien, nicht aber Viren abtöten. Die Tatsache, daß eine Erkältung eigentlich immer virale Ursachen hat, zeigt sich auch in der Erkrankungsdauer. Unbehandelt dauert sie durchschnittliche 7 bis 10 Tage, behandelt eine starke Woche. Da Viren eigentlich auch gar nicht abgetötet werden können, sondern lediglich mit sogenannten Virostatika in ihren „Vermehrungszyklus“ eingegriffen werden kann, muß man die Erkältung in den meisten Fällen einfach „aussitzen“.


Interessant ist auch, daß nachgewiesen wurde, daß Menschen mit mehr unterschiedlichen sozialen Kontakten weniger empfänglich für Rhinoviren und somit Erkältungen sind.


Können wir uns gar nicht wehren?


Einfach vor Kälte schützen reicht leider nicht aus. Vielen von uns klingt noch Großmutters Stimme im Ohr:

"Geh nicht ohne Jacke/ Mütze/ Fäustlinge/ Ohrenschützer/ Fellmoonboots /Thermophor/ Franzbranntwein/ Astronautenahrung aus dem Haus, du holst dir noch den Tod!"

Was Oma nicht wusste - hätten wir das alles dabei gehabt, wären wir am Schulhof wahrscheinlich derbstens zusammengeschlagen worden.


Wie sieht es mit dem Klassiker Vitamin C aus?



Orangensaft - ein Virenkiller?

Reicht es, wenn wir uns einen Eimer Orangen aus dem Supermarkt holen und unter größter Anstrengung einen Liter Orangensaft produzieren? Müssen wir den dann auch trinken oder hat die Schwitzkur vom Auspressen schon gereicht?

Unglücklicherweise lautet die Antwort: nein, Vitamin C bringt so gut wie gar nichts. Erstens wird es sehr schnell wieder ausgeschieden. Zweitens ist es in einer Vielzahl verschiedener Lebensmittel enthalten, so daß sogar Menschen, die Grünzeug von vorneherein ablehnen, einer gewissen täglichen Vitamin C-Zufuhr nicht entkommen. Und drittens haben bereits mehrere Studien gezeigt, daß Vitamin C kaum einen Effekt, weder auf das Ansteckungsrisiko, noch auf die Erkrankungsdauer hat. Einzig und allein bei Menschen, die kurzfristig extremer Kälte oder großer körperlicher Anstrengung ausgesetzt waren, konnte eine leichte Reduzierung des Ansteckungsrisikos beobachtet werden. Hat es sich der Virus in unseren Zellen bereits gemütlich gemacht, ist es für Vitamin C sowieso zu spät.

Wie sieht es mit Omas Hühnersuppe aus?


Ein Fehler ist Hühnersuppe nie. Sie schmeckt lecker und hebt die Moral an langen, dunklen Wintertagen. Das in Hühnerfleisch, aber noch mehr in Schweinefleisch vorkommende Cystein besitzt außerdem die Fähigkeit, Schleim zu verflüssigen. So mag es also durchaus sein, daß eine Schale Suppe eine kurzfristige Linderung der Symptome herbeiführt. Das mitgekochte Gemüse, z.B. Karotten, Sellerie, etc. versorgt uns außerdem mit Vitaminen. Das kann auf keinen Fall schlecht sein. Aber trotzdem ist Hühnersuppe kein Virenkiller.


Zink. - Booster fürs Immunsystem



Zink - ein Booster fürs Immunsystem

Immer wieder wird Zink als Wundermittel gegen Erkältung gehandelt. Zwar stärkt dieses Spurenelement erwiesenermaßen Immunsystem und Abwehrkräfte, allerdings ist nicht jede Zinkquelle in gleichem Maße bioverfügbar. Damit müssen wir uns aber gar nicht näher beschäftigen, denn Studien haben gezeigt, daß überhaupt nur Zink-Lutschtabletten Symptomatik und Dauer einer Erkältung reduzieren können. Und selbst diese Forschungsergebnisse sind als widersprüchlich zu betrachten.


Gibt es denn nun gar kein Hausmittel, das in der Lage ist, die Erkältungsdauer zu verkürzen oder gar das Ansteckungsrisiko zu senken? Müssen wir das wirklich aussitzen oder besteht doch noch Hoffnung?



Knoblauch - nicht nur gegen Vampire wirksam

Eine britische Studie konnte bestätigen, daß sich nur 32% der Versuchsprobanden ansteckten, die Allicin-Kapseln zu sich nahmen. Bei den Probanden, die lediglich das Placebo-Präparat zu sich nahmen, fand sich eine Ansteckungsrate von 89%. Zusätzlich konnte gezeigt werden, daß sich die Erkrankungsdauer bei denen, die das Allicin-Präparat bekamen, um 1,5 Tage senkte, während die Placebo-Gruppe im Durchschnitt 5,5 Tage mit ihren Symptomen kämpfen musste.

Diese Studie ist also durchaus vielversprechend, auch weil bereits in vielen Studien zuvor die antiviralen Eigenschaften von Allicin nachgewiesen wurden. Wie aber kommen wir nun an Allicin? Die Lösung ist tatsächlich sehr einfach, denn die Substanz Allicin ist in frischem Knoblauch, Allium sativum L., enthalten! Sie wird später in Di- und Trisulfide umgewandelt, die wiederum für den manchmal unangenehmen Geruch von Knoblauch verantwortlich sind. Wir können uns nun also in der „gefährlichen“ Jahreszeit mit Allicin-Kapseln versorgen oder täglich frischen Knoblauch zu uns nehmen, je nach Geschmack und Magenverträglichkeit. Letzteres hätte zusätzlich den Vorteil, daß andere Menschen sich uns wegen des Knoblauchgeruchs generell seltener nähern, wodurch das Ansteckungsrisiko beträchtlich minimiert wird!

Referenzen

- Mäkelä MJ et al. Viruses and Bacteria in the Etiology of the Common Cold. Journal of Clinical Microbiology, pp. 539-542, Vol. 36, No. 2 (1998).

- Cohen S. et al. Social Ties and Susceptibility to the Common Cold. JAMA Clinical Challenge, pp. 1940-1944, Vol. 277, No. 24 (1997).

- Douglas RM et al. Vitamin C for preventing and treating the common cold. Cochrane Acute Respiratory Infections Group, John Wiley & Sons, Ltd. (2013).

- Marshall IIR et al. Zinc for the common cold. Cochrane Acute Respiratory Infections Group, John Wiley & Sons, Ltd. (2015).

- Josling P. Preventing the common cold with a garlic supplement: A double-blind, placebo-controlled survey. Advances in Therapy, pp. 189-193, Vol. 18, No. 4 (2001).

- Weber D. et al. In Vitro Effects of Allium sativum (Garlic) Extract and Compounds. Planta Med, pp. 417-423, Vol. 58, No. 5 (1992).


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